Kleinteiligkeit der ostdeutschen Wirtschaft

Autor: Michael Arnold, Alexander Eickelpasch, Prof. Dr. Michael Fritsch, Dr. Anselm Mattes, Dr. Alexander Schiersch
Erscheinungsdatum: Juni 2015

Gibt es spezifische Wachstumshemmnisse für die Bildung größerer Unternehmenseinheiten?

Der Mangel an größeren Unternehmenseinheiten wird häufig als einer der Gründe für eine geringere Wachstumsdynamik in Ostdeutschland genannt. So sind große Unternehmen oftmals überdurchschnittlich produktiv, wichtig für die Innovationsleistung einer Region, zahlen überdurchschnittlich hohe Löhne und sind deutlich besser als kleine Unternehmen in der Lage, internationale Märkte zu erschließen. Zudem sind sie wichtige Ankerpunkte für die Entwicklung von Clustern und regionalen Wertschöpfungsketten.

Die Studie bestätigt, dass ostdeutsche Wirtschaft gegenüber der westdeutschen Wirtschaft vergleichsweise kleinteilig strukturiert ist. Insbesondere fehlt es an sehr großen Unternehmen. Auch wenn bei den mittelgroßen Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe Ostdeutschlands eine leichte Wachstumstendenz beobachtet werden kann, ist eine Angleichung der Unternehmensgrößenstruktur in Ost- und Westdeutschland derzeit nicht absehbar.

Dabei haben ostdeutsche Unternehmen keine Nachteile hinsichtlich klassischer Standortfaktoren. Ostdeutschland verfügt darüber hinaus über eine gut ausgebaute Infrastruktur und über zahlreiche Hochschulen und sonstige öffentlichen Forschungseinrichtungen. Weiterhin unter-scheiden sich ostdeutsche Unternehmen hinsichtlich ihres Investitionsverhaltens nicht wesentlich von ihren westdeutschen Pendants. Wachstumshemmnisse für ostdeutsche Unternehmen ergeben sich allerdings aus den folgenden Aspekten:

  • Sie betreiben in geringerem Umfang Innovationsaktivitäten und führen seltener Produkt- und Verfahrensinnovationen ein;
  • ostdeutsche Unternehmen weisen auch infolge dessen im Durchschnitt eine geringere Produktivität auf;
  • sie sind seltener und in geringerem Umfang auf internationalen Märkten aktiv.
  • Weiterhin gehört für einen relevanten Anteil an Unternehmen Wachstum nicht zur Unternehmensstrategie.

Die Autoren der Studie leiten daraus verschiedene Handlungsempfehlungen für die Wirtschaftspolitik, aber auch für Verbände und Unternehmen ab. Die Handlungsempfehlungen betreffen vor allem die folgenden Bereiche:

  • Erstens muss der Fachkräftemangel in Ostdeutschland entschiedener angegangen werden.
  • Zweitens sollte die Unterstützung der FuE- und Innovationsaktivitäten der ostdeutschen Unternehmen weiterhin eine Priorität staatlicher Wirtschaftspolitik darstellen.
  • Drittens, eine Förderung der Vernetzung der ostdeutschen Unternehmen. Ein Nachteil der ostdeutschen Wirtschaft besteht darin, dass mit dem Fehlen von Großunternehmen auch zu wenige Beziehungs-„Knoten“ vorhanden sind, die eine Herausbildung von Netzwerken befördern und diese Netzwerke stabilisieren.
  • Viertens, die bessere Erschließung von Auslandsmärkten. Ostdeutsche Unternehmen exportieren seltener und in einem geringeren Ausmaß als vergleichbare westdeutsche Unternehmen. In der Erschließung von Auslandsmärkten liegt jedoch eine Wachstums-chance, die auch zur Überwindung der kleinteiligen Wirtschaftsstruktur beitragen kann.
  • Fünftens, Angebote für Management-Unterstützung, vor allen in den Bereichen Exportförderung, Unternehmensnachfolge und Fachkräftegewinnung.
  • Sechstens, die Unterstützung des Gründungsgeschehens, insbesondere von innovativen Gründungen, wodurch der Pool an potentiell wachsenden Unternehmen langfristig erweitert wird.

 

Link zur Studie [Langfassung | pdf | 1.676 KB]

Link zur Studie [Kurzfassung | pdf | 334 KB]


Keywords:
Kleinteiligkeit, mittelgroße Unternehmen, Ostdeutsche Wirtschaft, Wachstum


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