Der gesellschaftliche Nutzen der EU-Methanverordnung
Die 2024 verabschiedete EU-Methanverordnung soll Methanemissionen bei der Förderung und Bereitstellung von Erdöl, Erdgas und Kohle reduzieren. Neben neuen Anforderungen an die Überwachung und Minderung von Emissionen innerhalb der EU werden schrittweise auch fossile Energieimporte einbezogen. Dies ist besonders relevant, da mehr als drei Viertel der Methanemissionen, die mit dem europäischen Verbrauch fossiler Energieträger verbunden sind, außerhalb der EU entstehen. Vor dem Hintergrund zunehmender politischer Forderungen nach einer Verschiebung oder Abschwächung der Verordnung untersucht eine neue Studie der DIW Econ deren gesellschaftlichen Nutzen und die Kosten ihrer Umsetzung.
Die Ergebnisse zeigen, dass der gesellschaftliche Nutzen der Verordnung ihre Kosten um das 14-Fache übersteigen könnte. Bei einer vollständigen und fristgerechten Umsetzung mit einem angenommenen Methanintensitätsgrenzwert von 0,2 % für Importe ab 2030 könnten bis 2050 insgesamt rund 80 Millionen Tonnen Methanemissionen vermieden werden. Der heutige Wert des daraus resultierenden globalen Nutzens durch vermiedene Klima-, Gesundheits- und Wirtschaftsschäden liegt bei über 700 Milliarden Euro, gegenüber Regulierungskosten von rund 50 Milliarden Euro. Weltweit könnten rund 155.000 vorzeitige Todesfälle über den modellierten Zeitraum verhindert werden. Eine Verzögerung der Umsetzung um drei Jahre in Kombination mit einem weniger ambitionierten Methanintensitätsgrenzwert würde zusätzliche gesellschaftliche Klima-, Gesundheits- und Wirtschaftsschäden in Höhe von rund 185 Milliarden Euro verursachen.
Für die Analyse hat DIW Econ die mit dem europäischen Verbrauch fossiler Energieträger verbundenen Methanemissionen anhand internationaler Energiehandelsdaten und länderspezifischer Emissionsintensitäten rekonstruiert. Anschließend wurden verschiedene Umsetzungsszenarien mithilfe einer erweiterten Version des integrierten Bewertungsmodells GIVE untersucht. Das Modell quantifiziert vermiedene gesellschaftliche Schäden durch temperaturbedingte Sterblichkeit, ozonbedingte Todesfälle infolge von Atemwegserkrankungen, landwirtschaftliche Ertragsverluste, hitzebedingte Arbeitsproduktivitätsverluste, zusätzliche Energiekosten und den Anstieg des Meeresspiegels. Diesem Nutzen wurden die geschätzten Kosten der technischen Emissionsminderung und der regulatorischen Anforderungen gegenübergestellt.
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