Untersuchung regionalwirtschaftlicher Effekte des Ausfalls systemkritischer Wasserstraßen
Bundeswasserstraßen sind für die deutsche Volkswirtschaft von zentraler Bedeutung. Eine aktuelle Kurzexpertise von DIW Econ im Auftrag des Vereins für europäische Binnenschifffahrt und Wasserstraßen e.V. (VBW) zeigt, dass funktionierende Wasserstraßeninfrastruktur für Wertschöpfung, Beschäftigung und Versorgungssicherheit in zahlreichen Industrieregionen von zentraler Bedeutung ist.
Die Binnenschifffahrt übernimmt im deutschen Güterverkehr rund 6,5 Prozent der gesamten Beförderungsleistung – und ist dabei, gerade bei Massengütern wie Erzen, Mineralölprodukten, chemischen Erzeugnissen und Kohle, häufig kaum zu ersetzen. Zugleich ist sie ein effizienter und vergleichsweise umweltfreundlicher Verkehrsträger: Ein durchschnittliches Binnenfrachtschiff ersetzt rund 150 Lkw-Fahrten, während die Treibhausgasemissionen pro Tonnenkilometer deutlich unter denen des Straßengüterverkehrs liegen. Entlang der Wertschöpfungsketten der Güterbinnenschifffahrt wird Bruttowertschöpfung von knapp 2,9 Milliarden Euro generiert und rund 13.600 Arbeitsplätze geschaffen. Hinzu kommt die Flusskreuzfahrt, die mit mindestens 476 Millionen Euro Bruttowertschöpfung und rund 10.000 Arbeitsplätzen einen bedeutsamen Beitrag zur regionalen Wirtschaft leistet.
Umso besorgniserregender ist der erhebliche Investitionsstau bei Schleusen, Wehren und Kanälen, der das Risiko langfristiger Infrastrukturausfälle stetig wachsen lässt. Anhand von fünf Fallstudien zeigt die Kurzexpertise, dass ein Ausfall systemkritischer Wasserstraßen weit über den eigentlichen Verkehrsträger hinaus wirken würde. Betroffen wären industrielle Wertschöpfungsketten, Häfen, Logistikstandorte, Tourismusregionen und zehntausende Arbeitsplätze. Investitionen in die Wasserstraßeninfrastruktur sind deshalb keine Subvention für einen einzelnen Verkehrsträger – sie sind eine gesamtwirtschaftliche Notwendigkeit, die Wertschöpfung, Beschäftigung und industrielle Wettbewerbsfähigkeit sichert.
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